Ausgestattet mit der ErfgoedApp ich ErfgoedApp reichlich Zeit, um den „Gentse Topstukkenwandeling“ auszuprobieren. Dieser Kulturerbe-Spaziergang ist das Ergebnis einer Initiative des Archief Gent, das dich anhand von sechs Meisterwerken aus dem Archiv auf eine Reise durch die Zeit mitnimmt. Voller Neugierde mache ich mich auf den spannenden Weg.
Nach einer kurzen Straßenbahnfahrt vom Bahnhof erreichen wir unseren ersten Halt: die Oude Houtlei. Dieses Gebiet wurde 1619 erstmals von Jacques Horenbault kartografiert. Er erstellt eine äußerst seltene Karte der Stadt Gent, die ganze 150 Jahre älter ist als die Ferraris-Karten. Während die Karten von Ferraris erst im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts große Teile der Niederlande erstmals kartografieren, gibt es für Gent also eine noch viel ältere Quelle. Einzigartig!

Die Augustinermönche von Gent
Wir spazieren weiter zur Sint-Margrietstraat, die bereits seit dem 13. Jahrhundert die Heimat der Augustinermönche ist. Das älteste Prunkstück des Archivs Gent ist eine Sammlung von Federzeichnungen von Arent van Wijnendale, einem renommierten Genter Maler aus dem 16. Jahrhundert. Die Zeichnungen sind eine wichtige Quelle für die katholische Architektur vor dem Bildersturm.
In den 1560er und 1580er Jahren zerstörten protestantische Aufständische zahlreiche katholische Besitztümer, wodurch viele Informationen aus dieser Zeit verloren gingen. Auch das Kloster in der Margrietstraat blieb davon nicht verschont, doch nach einer Pause von 20 Jahren ließen sich die Mönche 1606 erneut an diesem Ort nieder. Sie leben dort bis heute.

Einzigartige Fassadenzeichnungen
Nach einem schönen Rundgang durch den ältesten Teil von Gent erreichen wir die Mitte der Tour am Edward-Anseele-Platz. Dort erfahren wir, dass das Archiv von Gent etwa 3.400 alte Bauzeichnungen von Fassaden aus der Stadt bewahrt. Der Umfang und das Alter der Sammlung (sie stammt aus dem Zeitraum 1671–1795) machen diese Sammlung zu einem Meisterwerk.
In der ErfgoedApp ich mir das alte Café „In de Dubbele Deur“ ErfgoedApp , von dem die Hälfte des ursprünglichen Gebäudes noch erhalten ist. Auf dem Platz stand früher auch ein Gebäude des Bauherrn Peter de Meyn. Von diesem Gebäude ist nicht nur die ursprüngliche Bauzeichnung der Fassade erhalten geblieben, sondern auch die Holzfassade selbst. Diese kann man im STAM besichtigen.

Deutsche Propagandafotos
Nach einer wohlverdienten Pause in einem Café am Vrijdagmarkt setzen wir unseren Spaziergang in Richtung Kouter fort. Hier sehen wir das Hotel Falligan, in dem während des Ersten Weltkriegs die deutsche Kommandantur untergebracht war. Die höchsten deutschen Militärbehörden regelten dort das militärische und teilweise auch das zivile Leben im besetzten Belgien.
Während des Krieges gab die Besatzungsmacht von diesem Gebäude aus ein Kriegsalbum heraus, ein Album mit Fotos, die das Leben deutscher Soldaten in Belgien dokumentieren. Darin sind vor allem fröhliche Gesellschaften und technologische Meisterleistungen zu sehen: Propaganda für die Heimatfront. Dieses Album aus dem Jahr 1916 ist erhalten geblieben und bildet den jüngsten Teil der Sammlung von Spitzenstücken im Archiv.


Hat diese spannende Tour dein Interesse geweckt? Dann lade dir unbedingt die ErfgoedApp herunter, starte den Rundgang zu den Meisterwerken und begib dich selbst auf eine Reise durch die Geschichte Gents. Für alle, die mehr über das beeindruckende Kriegsalbum erfahren möchten, hat das Archiv Gent einen eigenen Rundgang zusammengestellt, der dich durch dieses besondere Fotoalbum führt. Eine schöne Gelegenheit, noch mehr verborgene Geschichten und Kulturgüter zu entdecken.



