Der Österreicher Tim Steiner ist ein wandelndes Kunstwerk. In den Jahren 2006 bis 2008 tätowierte der westflämische Künstler Wim Delvoye seinen Rücken vollständig. Ein deutscher Sammler „kaufte“ das Werk – weshalb Tim regelmäßig mit nacktem Rücken in Galerien und Museen auf der ganzen Welt zu sehen ist. Der „Eigentümer“ soll sogar das Recht haben, die tätowierte Haut nach dem Tod ihres Trägers einzurahmen …

Doch damit gab sich Delvoye nicht zufrieden. Noch umstrittener sind seine tätowierten Schweine. In den 1990er Jahren übte er noch auf Schweinehäuten. 1997 ging Delvoye einen Schritt weiter und nutzte lebende Schweine als Leinwand.
Indem man Totenköpfe, Adler, religiöse Motive und sogar Disneyfiguren auf den Rücken der Schweine tätowierte, verlieh man den Tieren etwas Menschliches.
Laut Delvoye übt er damit Kritik daran, dass Lebewesen zu Konsumobjekten degradiert werden. Der Künstler wurde jedoch seinerseits heftig wegen Tierquälerei kritisiert.
In fast jeder Kultur wird der menschliche Körper geschmückt oder verformt. Oft hat diese Körperverzierung eine symbolische Funktion: Sie spiegelt vorherrschende ästhetische Vorstellungen wider, wird in (religiösen) Ritualen oder als Statussymbol verwendet oder soll gerade Menschen ausgrenzen und buchstäblich kennzeichnen. Doch der Mensch kennzeichnete nicht nur sich selbst. Auch die Körper von Tieren wurden auf vielfältige Weise mit einem Erkennungszeichen gebrandmarkt.

Zahlreiche westliche Künstler ließen sich von traditionellen Formen der Körperkunst, wie beispielsweise Tätowierungen, inspirieren. Japanische Holzschnitte von Kriegern mit Drachen und Tigern auf ihren Körpern trugen im 19. Jahrhundert zur Japan-Begeisterung in Westeuropa bei. Der Architekt und Designer Henry Van de Velde und andere Pioniere des Jugendstils verwendeten Muster, die sie in kongolesischen Traditionen der Skarifizierung (dekorative Narbenbildung) sahen. Nur wenige griffen selbst zur Tätowiernadel, wie beispielsweise Delvoye. Doch seit den 1960er Jahren begannen Künstler häufiger, ihren eigenen Körper als Medium zu nutzen. Auch die zeitgenössische Tätowierung oder andere Formen der Körperverzierung, wie temporäre Henna-Tätowierungen, werden von manchen als eigenständige Kunstform betrachtet.
Diese Geschichte wurde vom Geheugen Collectief für das FAAM – Virtuelles Museum erstellt.