Im 15. Jahrhundert war Brügge die Handelsmetropole Westeuropas. Die Stadt wimmelte nur so von ausländischen Händlern, Bankiers und Politikern.
Hans Memling fand hier Auftraggeber für elegante Porträts. Wie kein anderer gelang es ihm, die porträtierte Person vor dem Hintergrund einer sonnigen Landschaft ansprechend darzustellen. Eines seiner faszinierendsten Porträts ist der „Mann mit römischer Münze“ (ca. 1474).
Lange Zeit war die Identität der Person unbekannt. Nun vermuten Experten, dass es sich um Bernardo Bembo handelt. Von 1471 bis 1474 war Bembo venezianischer Botschafter am Hof des burgundischen Herzogs Karl des Kühnen. Danach kehrte er nach Italien zurück, wo er seine Stadt in Florenz vertrat.
Venedig war eine mächtige Stadt. Es war das italienische Pendant zum flämischen Brügge. Daher war es notwendig, dass Venedig sich hier durch einen Botschafter vertreten ließ. In Brügge waren viele Italiener tätig. Sie widmeten sich dem Handel zwischen Italien und den Niederlanden.
Über den Meeresarm des Zwin war der Hafen von Brügge direkt mit der Nordsee verbunden. Als das Zwin versandete, verlor Brügge diese wichtige Rolle. Der Überseehandel, das Kapital und die Macht verlagerten sich Ende des 15. Jahrhunderts nach Antwerpen.
Es fällt auf, dass sich der venezianische Diplomat mit einer römischen Münze in der linken Hand porträtieren ließ. Darauf ist das Kopfbildnis von Kaiser Nero zu sehen. Die Münze wurde in Lyon geprägt. Auf diese Weise präsentierte sich Bernardo Bembo als gelehrter Mann, der antike Münzen sammelte.

Ab dem 15. Jahrhundert legten wohlhabende Bürger häufig Sammlungen an. Neben antiken Münzen umfasste eine solche Sammlung exotische Muscheln, Straußeneier, Kokosnüsse, ägyptische Antiquitäten und vieles mehr. Zweifellos war Bembo ein Humanist, ein Mann von Welt.

Diese Geschichte wurde von OKV für FAAM – das virtuelle Museum – erstellt.









