Ein Cembalo für jeden zu Hause

Im Antwerpen des 16. und 17. Jahrhunderts war eine Familie für die Entwicklung von Tasteninstrumenten ebenso entscheidend wie der Italiener Stradivari für Saiteninstrumente. Seine Familie stammte wahrscheinlich aus Deutschland, doch Hans Ruckers wurde in Mechelen geboren. Um 1575 zog er nach Antwerpen. Er baute Virginalen und Cembalos. Das sind einfache Tasteninstrumente, Vorläufer des Klaviers. Ruckers spielte nicht nur eine wichtige Rolle bei der technischen Weiterentwicklung des Instruments, sondern wurde auch für die anmutige Gestaltung und die aufwendige Verarbeitung seiner Cembali bekannt. Und natürlich für den hervorragenden Klang. Seine Signatur „HR“ wurde zu einem echten Qualitätssiegel.

Das Museum Vleeshuis in Antwerpen widmet sich dem Thema „Antwerpen – Stadt des Cembalos“ und besitzt Instrumente der Familie Ruckers.

Im 15. und 16. Jahrhundert waren die Niederlande absolute Trendsetter in der europäischen Musikwelt. Als der Achtzigjährige Krieg ab 1568 die Niederlande in Aufruhr versetzte, suchten viele Komponisten und Musiker ihr Glück anderswo. In der Folge übernahm die italienische Musik die Vorreiterrolle. Instrumentenbauer und Notendrucker blieben jedoch in großen Handelsstädten wie Antwerpen weiterhin sehr einflussreich.

Wohlhabende – und auch weniger wohlhabende – Bürger umgaben sich zunehmend mit Kunst, und dazu gehörte auch die Musik.

Cembalo von Andreas Ruckers, 1646 – Vleeshuis, Antwerpen – Wikimedia Commons, Foto: Paul Hermans
Cembalo von Andreas Ruckers, 1646 – Vleeshuis, Antwerpen – Wikimedia Commons, Foto: Paul Hermans

Die Klänge, die zuvor vor allem in Kirchen und an den großen Höfen zu hören waren, hielten nun Einzug in den häuslichen Kreis. Die Virginalen und Cembali von Ruckers waren das Hausinstrument schlechthin: Sie sind auf zahlreichen Gemälden und Stichen jener Zeit in bürgerlichem Umfeld abgebildet. Auch Aufständische wie die Geusen präsentierten sich als Amateurmusiker, oft in den Volkssprachen.

Auch das Snijders & Rockox-Haus in Antwerpen verfügt über einen Ruckers aus dem 17. Jahrhundert.

Hans Ruckers baute eine gut organisierte Werkstatt auf. Sein ältester Sohn Joannes übernahm sie später. In der Werkstatt wurden etwa 1.500 Instrumente hergestellt. Etwa 130 davon sind erhalten geblieben. Man kann sie in Musikmuseen auf der ganzen Welt bewundern. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts ging die Blütezeit der Familie zu Ende, doch ihre Instrumente blieben dank ihrer außergewöhnlichen Klangschönheit bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in ganz Europa heiß begehrt. Danach rückte das Klavier immer mehr in den Vordergrund.

Das Musikinstrumentenmuseum in Brüssel verfügt über eine umfangreiche Sammlung, darunter ein Cembalo von Joannes Ruckers.

Diese Geschichte wurde vom „Geheugen Collectief“ für das FAAM – Virtuelles Museum – erstellt. 

Spaziergang durch Antwerpen auf den Spuren des musikalischen Erbes
„Stadsklanken“ ist ein Kulturspaziergang, der Sie zu Orten führt, die in der Musikgeschichte der Stadt Antwerpen eine wichtige Rolle gespielt haben.