Eines der ersten Tattoo-Studios in Belgien war das von Joe Pancho, das 1943 in der Schippersstraat in Antwerpen eröffnet wurde. Er stammte aus Chicago und hatte verschiedene Spitznamen: Professor Tattoo, Sailor Pancho … Es war kein Zufall, dass sich sein Geschäft im Antwerpener Hafenviertel befand.
Im Laufe der Jahrhunderte verband die Öffentlichkeit Tätowierungen mit verschiedenen Gruppen: Kriminellen, Soldaten, Zirkusartisten („Freaks“) oder Motorradfahrern. Am stärksten jedoch vielleicht mit Seeleuten.
Europäische Seefahrer tätowierten sich zunächst auf den Schiffen selbst oder in den großen Hafenstädten. Ab dem 15. Jahrhundert kamen sie auch mit Kulturen auf der ganzen Welt in Kontakt, in denen die Tätowierung bereits seit Jahrhunderten praktiziert wurde. Bekannt sind die Reisen von James Cook im 18. Jahrhundert nach Polynesien, wo er und seine Besatzung sahen, wie Körperverzierungen eine rituelle, religiöse oder soziale Bedeutung hatten. So gelangte das polynesische Wort für „Tätowierung“ ins Englische und später auch in andere westliche Sprachen.

Mit der Erfindung der elektrischen Tätowiermaschine im späten 19. Jahrhundert entstanden in den Hafenstädten die ersten spezialisierten Läden oder Studios, die oft von ehemaligen Matrosen wie Joe Pancho in Antwerpen betrieben wurden.
Tätowierungen mit wiederkehrenden Motiven können dazu dienen, die eigene Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu unterstreichen. So ließen sich Soldaten im 19. Jahrhundert oft die Namen von Orten, an denen sie im Feldzug gewesen waren, als Andenken auf ihrem Körper verewigen. Seeleute entschieden sich häufig für Tätowierungen mit Ankern, Schwalben, Rosen oder Dreimastern.

Tätowierungen konnten umgekehrt auch dazu dienen, sich als Individuum von anderen abzuheben. Zahlreiche vollständig tätowierte Zirkusartisten reisten im späten 19. Jahrhundert um die Welt und verblüfften das Publikum mit ihrem einzigartigen Aussehen.
Als Janis Joplin und andere Rockstars ab 1970 offen mit ihren Tattoos prahlten, war das ebenfalls eine Form des individuellen Selbstausdrucks. Leider wurden Tätowierungen im Laufe der Geschichte auch für das Gegenteil genutzt: um jemandem seine Persönlichkeit zu nehmen. Davon zeugen beispielsweise die grausamen Lagertätowierungen, die die Nazis in Auschwitz auf die Arme der Häftlinge aufbrachten. So reduzierten sie ihre Opfer buchstäblich auf eine Nummer.
Diese Geschichte wurde vom „Geheugen Collectief“ für das FAAM – Virtuelles Museum – erstellt.



