In Hasselt findet seit 1682 alle sieben Jahre im August eine Prozession statt. Die Prozession wird zu Ehren von Virga Jesse abgehalten, wie Maria dort genannt wird. Während dieser Virga-Jesse-Feste tragen die Einwohner von Hasselt eine Marienstatue aus Eichenholz aus dem 14. Jahrhundert durch die geschmückten Straßen.

Es ist eines der vielen Beispiele für die reiche Prozessions- und Umzugskultur der flämischen Region.
Im 17. und 18. Jahrhundert bezeichneten Reisende die Region als die katholischste Europas, da dort zahlreiche Prozessionen durch die Straßen oder über die Felder zogen. Während solcher Umzüge wandten sich Priester und Laien gemeinsam singend, betend, musizierend und manchmal tanzend an Gott oder einen Heiligen. Dabei trugen die Prozessionsteilnehmer allerlei religiöse Gegenstände mit sich, wie Kreuze, Statuen oder Reliquien.

Im Laufe des 6. Jahrhunderts entstand an verschiedenen Orten in Westeuropa der Umzug mit Reliquien christlicher Heiliger. Ab dem Spätmittelalter wurden diese Prozessionen in den Städten immer häufiger um einen bürgerlichen Umzug erweitert, in dem Straßentheater, Riesen und Monster eine wichtige Rolle spielten. Um den Schwerpunkt wieder auf Frömmigkeit und Andacht zu legen, unterschied die Kirche im 17. Jahrhundert zwischen diesen „Prozessionen zur Unterhaltung“ (oder Umzügen) und religiösen Prozessionen. Doch oft vermischten sich beide Elemente – das Religiöse und das Nicht-Religiöse – weiterhin.
Die Virga-Jesse-Feste sind Teil einer besonderen Tradition in der Maas-Rhein-Region: der alle sieben Jahre stattfindenden Prozessionen und Feste.
Die Feste gehen mit allerlei lokalen Bräuchen einher. Stadtteilkomitees stellen biblische Szenen, Hasselter Legenden oder Wundererzählungen dar. Wie zum Beispiel eine Legende über ein Kind, das durch einen Sturz aus dem Fenster ums Leben kam, aber wieder zum Leben erweckt wurde, nachdem sein Leichnam zur Virga-Jesse-Statue gebracht worden war.
Und es wird gegessen, wie bei so vielen flämischen Festen. Am Montag nach dem ersten Umzug wird Erbsensuppe serviert, ein Brauch, der angeblich bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, als ein spanischer Adliger während einer Hungersnot Erbsensuppe verteilte.
Diese Geschichte wurde vom Geheugen Collectief für das FAAM – Virtuelles Museum erstellt.

