Die limburgischen Bergbaudörfer oder „Cités“ des 20. Jahrhunderts bildeten von Anfang an eine eigene Welt, die vom Kohlebergbau abhängig und auf diesen abgestimmt war. Die Bergbauunternehmen wachten auf paternalistische Weise über ihre „Cité“. So beschäftigten sie Wachpersonal oder Bergbauwachen, die kontrollieren sollten, ob die Bergleute ihre Mietwohnungen ordnungsgemäß instand hielten.

Auch das soziokulturelle Leben wurde von den Bergbauunternehmen geprägt. Denn ihnen gehörte der Großteil der örtlichen Theatervereine, Festsäle und Sportvereine. Einige dieser Vereine entwickelten sich zu echten Botschaftern ihrer Stadt und erlangten nationale Bekanntheit. Die Genker Fußballvereine KFC Winterslag und Thor Waterschei sind wohl die bekanntesten Beispiele. Bevor sie 1988 zum KRC Genk fusionierten, spielten beide Vereine mehrfach in der ersten Liga und manchmal sogar im europäischen Fußball.

Lei Clijsters, Aushängeschild von Thor Waterschei, ca. 1984–1985 – © Belgian Football Classics
Lei Clijsters, Aushängeschild von Thor Waterschei, ca. 1984–1985 – © Belgian Football Classics

Die Bergwerksleitungen versuchten, durch ihr Freizeitangebot das gesellschaftliche Leben in der Siedlung zu kontrollieren und die Arbeiter unter Kontrolle zu halten. Doch so mächtig die Bergwerksleitung auch war, einige Aspekte der Cité-Kultur entwickelten sich nach einer ganz eigenen Dynamik, losgelöst von den Anweisungen des Bergwerks. So trugen die vielen Arbeitsmigranten in der Bergbauregion zur Entstehung einer neuen Variante des Niederländischen bei: der Cité-Sprache oder dem Cités. 

Matteo Simoni trug als „Smos“ in der Sendung „Safety First“ zur wachsenden Popularität von „Citétaal“ bei, VTM, 2013 – © DPG Media
Matteo Simoni trug als „Smos“ in der Sendung „Safety First“ zur wachsenden Popularität von „Citétaal“ bei, VTM, 2013 – © DPG Media

Charakteristisch für die Cité-Sprache war die Kombination eines limburgischen Dialekts mit zahlreichen Wörtern aus dem Italienischen, Arabischen, Griechischen und Türkischen.

Auch nach der Schließung der Bergwerke blieben die Cités Schmelztiegel verschiedener Kulturen, und so entwickelte sich die Cité-Sprache weiter. Heute ist die Cité-Sprache vor allem eine Jugendsprache, die sich über die gesamte Provinz Limburg ausgebreitet hat. Genau wie andere Jugendssprachen entwickelt sie sich schnell weiter, und es kommen ständig neue Wörter und Ausdrücke hinzu.

Übe das Cités mit Don Luca.

Diese Geschichte wurde vom Geheugen Collectief für das FAAM – Virtuelles Museum erstellt. 

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