Wenn man früher wissen wollte, wie spät es war, schaute man am besten erst einmal in den Himmel. Genau zur Mittagszeit steht die Sonne im Süden, an ihrem höchsten Stand des Tages. Sie befindet sich dann über dem Meridian des Ortes, an dem man steht. Der Meridian ist eine imaginäre Linie vom Nord- zum Südpol, die alle Orte verbindet, an denen es genau gleich spät ist. Um 12 Uhr mittags zeigen die Schatten genau nach Norden. Nach diesem Prinzip funktionieren Sonnenuhren – eine Art Zeitmesser, der bereits im alten Ägypten verwendet wurde.
Eine der größten Sonnenuhren Flanderns befindet sich an der Liebfrauenkirche in Huldenberg in Flämisch-Brabant. Sie wurde 1764 am südlichen Seitenchor der gotischen Kirche angebracht. Unter den Stundenangaben in lateinischen Ziffern steht ein Spruch:„Die Zeit, ach! Sie vergeht, wie dieses Zeichen früh und spät.“ Eine Mahnung an die Einwohner von Huldenberg, dass ihr irdisches Leben vergänglich ist.
Mechanische Uhrwerke tauchten bereits um 1300 in Europa auf. Sie funktionierten auch bei schlechtem Wetter, doch um die Zeit einzustellen, brauchte man noch eine Sonnenuhr.

Überall in Flandern zur gleichen Mittagszeit?
Die Sonnenzeit variiert von Ort zu Ort. Bis ins späte 19. Jahrhundert nutzten die Menschen in Belgien die Ortszeit. Dabei orientierten sie sich an der Turmuhr und den Uhren in ihrem Dorf oder ihrer Stadt. Erst 1892 wurde in Belgien eine Standardzeit eingeführt. Einige Jahre zuvor hatte eine Konferenz in Washington, D.C., die Welt ausgehend von der Greenwich Mean Time (GMT) in Zeitzonen unterteilt. Geografisch gesehen liegt Belgien eigentlich in dieser Zeitzone, doch aus politischen, wirtschaftlichen und praktischen Gründen stellte das Land nach dem Zweiten Weltkrieg auf die mitteleuropäische Zeitzone (MET), GMT +1 Stunde, um.
Bevor Sie Ihre Armbanduhr verkaufen und in eine Sonnenuhr investieren, sollten Sie also wissen, dass die „wahre Sonnenzeit“ nicht mit der offiziellen Zeit übereinstimmt. Diese liegt in Flandern vor der Sonnenzeit.
Diese Geschichte wurde vom Geheugen Collectief für das FAAM – Virtuelles Museum erstellt.











