Am ersten Aprilwochenende drängen sich die Zuschauer in Scharen auf dem Oude Kwaremont. Der Kopfsteinpflasteranstieg in Kluisbergen ist ein Publikumsmagnet bei einem der wichtigsten Radrennen des Jahres: der Flandern-Rundfahrt. Er ist erst seit 1974 Teil der Strecke. Doch seit einigen Jahren ist er im Finale ein echter Entscheidungsträger.
All diese Menschen an einem Hang in den flämischen Ardennen – das sagt einiges über die Bedeutung der „Ronde“ und des Radsports in Flandern aus. Denn Radrennen sind dort nicht einfach nur beliebt: Nach Meinung vieler ist „das Radrennen“ der flämische Sport schlechthin.
Der Grundstein für diese Liebe wurde in den 1900er Jahren gelegt, als das Fahrrad für normale Männer und Frauen erschwinglich wurde.

In Dörfern und Kleinstädten der gesamten Region fanden Radrennen statt. Schon bald konnten flämische Radrennfahrer wie Cyrille van Hauwaert und Odiel Defraeye auch bei internationalen Rennen wie der Tour de France und Paris–Roubaix Erfolge verbuchen.
„Sportwereld“ nutzte diese Popularität eifrig aus. Die Sportzeitung erschien erstmals 1912 und entwickelte sich zur beliebtesten Sportzeitung Flanderns. Im Jahr 1913 organisierte ihr Direktor die erste Flandern-Rundfahrt. Das Rennen durch Ost- und Westflandern entwickelte sich zu einem Höhepunkt der Radsportsaison. Dass das Rennen auch zu einem flämischen Symbol wurde, war unter anderem Karel van Wijnendaele zu verdanken. Der Chefredakteur von „Sportwereld“ war sehr flämisch gesinnt. Er schrieb über den Radsport als Volkssport und über flämische Fahrer als starke Helden. Auf diese Weise wollte er die flämische Identität stärken.

Seine Worte hatten Einfluss. Bis heute werden Fahrer wie der Olympiasieger Greg van Avermaet als „Flandriens“ gefeiert. Das ist eine Bezeichnung für einen „typisch flämischen“ Radsporthelden. Neu ist, dass nun auch weibliche Fahrerinnen oder „Flandriennes“ Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten. Vor allem seit 2004 eine eigene Flandern-Rundfahrt für Frauen ins Leben gerufen wurde.
Diese Geschichte wurde vom Geheugen Collectief für das FAAM – Virtuelles Museum erstellt.



