Wer heute das Prinzen-Schloss in Grimbergen besucht, sieht eine Ruine. Verwitterte Mauern ragen aus dem Wasser heraus, und der Bergfried wacht noch immer über den Prinzenwald. Auf den ersten Blick scheint die Geschichte des Schlosses eine Geschichte von Verlust und Verfall zu sein.
Doch der Schein trügt. Hinter den jahrhundertealten Mauern entsteht eine neue Geschichte: die eines Schlosses, das nicht wie früher wieder aufgebaut, sondern als Ort der Handwerkskunst, des Experimentierens und der Begegnung zu neuem Leben erweckt wird.
Ein Schloss mit einer langen Geschichte
Das Prinsenkasteel war jahrhundertelang der Wohnsitz der Herren von Grimbergen. Nachdem ihre Burg in der Borcht während des Grimberger Krieges niedergebrannt war, wurde an anderer Stelle eine neue Residenz errichtet. Soweit heute bekannt ist, taucht das Prinsenkasteel erst im 15. Jahrhundert eindeutig in den historischen Quellen auf.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Schloss mehrfach erweitert und umgebaut. Im Jahr 1610 wurde es grundlegend umgestaltet und zu einer attraktiven Residenz für den Adel ausgebaut. Das umliegende Gelände, das wir heute als „Prinsenbos“ kennen, war damals Teil eines weitläufigen Schlossparks.
Die Geschichte war dem Prinzen-Schloss nicht immer wohlgesonnen. Das Schloss litt schwer unter den Österreichischen Erbfolgekriegen und den französischen Bombardements. Dennoch blieb es über Jahrhunderte hinweg erhalten.




Das Prinzenpalais im Jahr 1918 (deutsche Negative) und nach dem Brand. Fotos: KIK-IRPA, Brüssel (Belgien), Balat.
Den schwersten Schlag erlitt das Schloss während des Zweiten Weltkriegs. Deutsche Truppen bezogen das Schloss. Als sie sich 1944 zurückzogen, steckten sie das Gebäude in Brand. Was über Generationen hinweg aufgebaut worden war, wurde innerhalb kurzer Zeit zerstört.
Danach begann eine lange Zeit des Verfalls. Regen, Frost und Bewuchs hatten freie Hand. Mauern bröckelten ab und Teile des Schlosses stürzten ein. Auch Menschen trugen zum Verschwinden des Schlosses bei, indem sie Steine aus der Ruine entnahmen und an anderer Stelle wiederverwendeten. Langsam verwandelte sich das Wasserschloss in die Ruine, wie wir sie heute kennen.
Der letzte Zeuge
Von der Burg ist vor allem der Bergfried erhalten geblieben. Dieser mittelalterliche Wohnturm ist ein außergewöhnliches Beispiel für einen Torbergfried: einen Turm, der gleichzeitig als Zugangstor und als Wohnraum diente.
Im Inneren geben die verschiedenen Stockwerke noch immer einen Einblick in das Alltagsleben vor Jahrhunderten. Hier wurden Besucher empfangen, hier wurde gelebt, gegessen, geschlafen und das Anwesen verwaltet. Vom Turm aus wurde das Schloss und die Umgebung überwacht.
Die Ruine retten
Nach dem Krieg blieb die Burginsel jahrzehntelang unzugänglich. Erst in den 1990er Jahren wurden erste umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt. Dennoch blieb die Ruine weiterhin gefährdet. Ein Einsturz der Fassade des Bergfrieds im Jahr 2020 und Schäden an einem Eckturm im Jahr 2021 machten deutlich, wie dringend weitere Maßnahmen waren.
Aus diesem Grund war das Prinzen-Schloss, das bereits seit 1980 unter Denkmalschutz steht, erneut Gegenstand umfangreicher Erhaltungsarbeiten. Die Aufgabe bestand darin, die Ruine zu sichern, um weitere Schäden zu verhindern und das Gelände wieder vollständig zugänglich zu machen. Die Arbeiten wurden gerade abgeschlossen.




Drohnenaufnahmen des Prinzenpalasts nach den Restaurierungsarbeiten. Fotos: Théo Bastin
Die Zukunft gestalten
Und genau dort beginnt ein neues Kapitel. Es ist nicht geplant, das Prinzen-Schloss vollständig wieder aufzubauen. Das MOT möchte dem Gelände jedoch neues Leben einhauchen, indem es es in eine historische Baustelle verwandelt.

Auf der Burginsel kannst du entdecken, wie Steinmetze, Zimmerleute, Schmiede und andere Handwerker früher arbeiteten. Historische Bautechniken werden nicht nur gezeigt, sondern auch tatsächlich angewendet und erprobt. Unter einem neuen Fachwerk-Schuppen können Handwerker Vorführungen geben und mit Techniken aus dem Spätmittelalter experimentieren.
Sogar die Holzgerüste sind Teil dieser Geschichte. Sie zeigen, wie hohe Mauern vor Jahrhunderten errichtet und instand gehalten wurden. Was heute wie eine Ruine wirkt, verwandelt sich so Schritt für Schritt in ein lebendiges Labor für Kulturerbe und Handwerkskunst.
Das Schönste am Prinzenpalast ist vielleicht, dass er niemals fertiggestellt sein wird. Die Ruine bleibt eine Ruine. Ihre Narben bleiben sichtbar. Der Brand von 1944, die Jahrhunderte des Verfalls und die verlorenen Gebäude sind Teil ihrer Geschichte. Wo früher Ritter, Adlige und Soldaten umhergingen, treffen sich heute Besucher, Freiwillige, Studenten und Handwerker. Und so befindet sich das Schloss nicht mehr im Verfall, sondern im Aufbau.
Weitere Informationen zum Prinsenkasteel findest du auf der Website des MOT.
Vielen Dank an Théo Bastin für die Drohnenaufnahmen und die anderen Fotos. Weitere alte Fotos vom Prinzenpalast findest du bei BaLat.