Angeln mit Pferden

In Oostduinkerke kann man im Frühling und im Herbst ein ganz besonderes Schauspiel bewundern. Bei Ebbe reiten Fischer dort auf Brabanter Zugpferden in die Wellen hinaus. Entlang der Küste fangen sie mit ihren Schleppnetzen kiloweise köstliche Garnelen.

Das Fangen von Garnelen, auch „Kruien“ genannt, wurde bereits im 16. Jahrhundert an der Nordseeküste betrieben.

Die Garnelenfischer waren echte Fachleute mit einer umfassenden Kenntnis des Meeres. Und während die Männer mit ihren Pferden ins Wasser gingen, wateten ihre Frauen zu Fuß durch die Brandung, um Garnelen zu fangen.

Auf der Website der Gemeinde Koksijde findest du allerlei Aktivitäten rund um die Garnelenfischerei zu Pferd.

Für viele arme Fischer war das Garnelenfischen ursprünglich eine Möglichkeit, sich in den Wintermonaten etwas dazuzuverdienen. Den Rest des Jahres fischten sie in der Nordsee mit Heringsschiffen, einem speziellen Schiffstyp zum Heringsfang. Die Garnelen bereicherten zudem ihre oft karge Ernährung. Vor allem freitags, denn an diesen Tagen verbot die katholische Kirche den Gläubigen den Verzehr von Fleisch.

Im NAVIGO Fischereimuseum in Oostduinkerke entdeckst du die Geschichte der Garnelenfischer zu Pferd.

Im Landesinneren hatten Garnelen einen ganz anderen Stellenwert. Da sie schnell verdarben, war es schwierig, die Krustentiere über große Entfernungen zu transportieren. Das machte sie teuer und exklusiv. Ab dem 14. Jahrhundert standen Garnelen daher als Delikatesse auf dem Speiseplan von Adligen und Fürsten, wie beispielsweise den burgundischen Herzögen. Im 17. Jahrhundert waren die Tierchen wiederum ein beliebtes Motiv bei Stilllebenmalern. Solche Gemälde schmückten oft die Wände wohlhabender Bürgerhäuser.

Stillleben mit Krabbe, Garnelen und Hummer, Clara Peeters, 1635–1640 – Museum of Fine Arts, Houston – Wikimedia Commons
Stillleben mit Krabbe, Garnelen und Hummer, Clara Peeters, 1635–1640 – Museum of Fine Arts, Houston – Wikimedia Commons

Ab dem 20. Jahrhundert konnten sich mehr Menschen Garnelen leisten. Diese stammten jedoch immer seltener aus den Netzen der Fischer zu Pferd. Heute sind nur noch in Oostduinkerke etwa 16 traditionelle Garnelenfischer aktiv. Seit 2013 ist ihr Handwerk sogar als Weltkulturerbe anerkannt. Auch das Garnelenfischen zu Fuß erlebt in Oostduinkerke wieder einen Aufschwung. Die Frauen von „De Stienestekers“ hauchen der Tradition neues Leben ein.

Die Stienestekers in Aktion an der Küste von Oostduinkerke – Foto: Henri Lemineur
Die Stienestekers in Aktion an der Küste von Oostduinkerke – Foto: Henri Lemineur
Bei der Werkstatt für immaterielles Kulturerbe erfahren Sie noch mehr über dieses Stück Kulturerbe.
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