In den 1960er Jahren wollten sich fortschrittlich gesinnte Jugendliche von der traditionellen Gesellschaft ihrer Eltern losreißen. Sie rebellierten mit ihrer ungezwungenen Kleidung und ihrer kraftvollen Musik.
Im Ausland versammelte sich die Jugend auf Musikfestivals. Belgien folgte schon bald. Das erste Festival war „Jazz Bilzen“ in einem ruhigen Dörfchen bei Hasselt. Nach der ersten Ausgabe im Jahr 1965 erweiterte sich das Musikangebot auf Rock, Pop und Folk. Unter anderem aufgrund mangelhafter Organisation verschwand das Festival 1981.
Die brave Öffentlichkeit betrachtete die neuen Musikfestivals mit Argwohn. Im Jahr 1973 bezeichnete eine Zeitung das Jazz Bilzen als „Woodstock im Kleinformat“. Sogar der damalige Justizminister Alfons Vranckx warnte, dass das zügellose Verhalten der Jugend eine Gefahr für die westliche Kultur darstelle.

Im brabantischen Werchter bei Leuven organisierte die örtliche Chiro-Gruppe 1974 ein erstes Rock- und Bluesfestival. Schon bald wurde das Programm umfangreicher. 1977 schlossen sich Werchter und das Woodland Festival im westflämischen Torhout zusammen. Gemeinsam gelang es ihnen, internationale Bands anzuziehen. 1999 machte Rock Werchter dann eigenständig weiter. Das Musikspektrum erweiterte sich, von U2 bis Lady Gaga. Seit Jahren wird auch elektronische Tanzmusik mit einbezogen.

Im Jahr 1975 organisierte das örtliche Café Chantant „De Zon“ das kleine Festival Dranouter. Das gemütliche Folkfestival fand auf einem Schulhof im Heuvelland in Dranouter statt. Es gab Essen und Getränke sowie Workshops für Tanz und Musik. Der Campingplatz war kostenlos. Für junge Eltern gab es sogar eine Kinderbetreuung. Heute hat sich Dranouter zum bedeutendsten Folkfestival Europas entwickelt.
Zusammen mit dem Dance-Festival Tomorrowland in Boom locken Rock Werchter und Folk Dranouter mehr als eine halbe Million junger (und etwas älterer) Menschen aus aller Welt nach Flandern.
Diese Geschichte wurde von OKV für FAAM – das virtuelle Museum – erstellt.



