Der Roman „Zosja“ (2020) der limburgischen Autorin Arlette Henek erzählt die Geschichte ihrer Großmutter, die als junge Frau in der Zwischenkriegszeit von Polen nach Belgien zog. Sie folgte ihrem Mann, der in der Kohlegrube von Waterschei Arbeit gefunden hatte. Er war einer von Zehntausenden Polen, die einen wichtigen, aber weitgehend vergessenen Beitrag zum belgischen Wohlstand leisteten.
Bekannter sind die Abkommen, die Belgien mit Mittelmeerländern wie Italien (1946), Marokko und der Türkei (1964) schloss, um dringend benötigte Arbeitskräfte anzuwerben. Doch schon lange zuvor hatten die Bergwerke mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen.

Im Jahr 1911 trafen die ersten 127 polnischen Männer ein, um in den Bergwerken von Hennegau zu schuften. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Einwanderung rasch zu. Große Bergbauunternehmen begannen, in Ländern wie Polen aktiv Arbeitskräfte anzuwerben.
Im Jahr 1930 waren fast 20 % der Bergleute in Belgien Ausländer. Die Polen unter ihnen gründeten Vereine wie beispielsweise Turnvereine (Sokół). Mit der Krise der 1930er Jahre wurde die belgische Ausländerpolitik erstmals verschärft, und es kamen weniger Einwanderer ins Land.

Nach dem Zweiten Weltkrieg benötigte Westeuropa erneut große Mengen an Kohle, und Belgien benötigte Arbeitskräfte. Im besiegten Deutschland befanden sich Millionen von Vertriebenen, darunter viele Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus Mittel- und Osteuropa. Erneut wandten sich die Bergbauunternehmen an sie. Dies führte zu einer neuen Einwanderungswelle aus Polen – nicht jeder wollte in sein inzwischen kommunistisches Heimatland zurückkehren.
Viele belgische Polen sind erst vor kurzem nach Belgien eingewandert, nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Beitritt Polens zur Europäischen Union (2004). Aber auch in den ehemaligen Bergbauregionen leben noch viele „Anciens“ polnischer Herkunft. Im Rahmen des Vereins „Pools verleden Genk“ versuchen Nachkommen wie Arlette Henek, die Erinnerung an ihre Vorfahren lebendig zu halten.
Diese Geschichte wurde vom „Geheugen Collectief“ für das FAAM – Virtuelles Museum – erstellt.








