Als kurz nach 1900 in Mittel-Limburg der Kohleabbau begann, war die Region dünn besiedelt und kaum bebaut. Die neu gegründeten Bergbauunternehmen mussten daher völlig neue Wohnsiedlungen errichten, um das künftige Personal unterzubringen.
Arbeiterviertel hatten zu jener Zeit einen zweifelhaften Ruf. Unternehmer und Politiker wollten keine unhygienischen Ghettos wie in den Industriestädten des 19. Jahrhunderts.
In Limburg würde man es anders angehen: keine tristen Wohnblocks, sondern malerische Häuser mit Bäumen und Gemüsegärten.
Namhafte Architekten wurden mit der Gestaltung der neuen Wohnviertel beauftragt. Einer von ihnen war Adrien Blomme, ein Architekt, der in England mit dem Konzept der„Garden Cities“oder Gartenstädte vertraut geworden war: Stadtviertel mit einem grünen und dörflichen Charakter. So entstanden in der Zwischenkriegszeit in der Nähe der Kempener Kohlebergwerke neue Bergbaudörfer oder„cités“ mit viel Grün und Cottage-Häusern, die an die englische Landschaft erinnerten.

Dennoch zogen nicht alle Bergleute in diese schönen Cottage-Häuser ein. Die schönsten Häuser gingen in der Regel an die Führungskräfte des Bergwerks, und manchmal reichte der Wohnraum nicht aus, um die wachsende Zahl der Bergleute unterzubringen. Während des Zweiten Weltkriegs und kurz danach mussten sich viele sogar mit einer Unterkunft in spartanischen Baracken begnügen.
Neben Wohnungen bauten die Bergwerke auch Kirchen, Schulen, Sportplätze und Theatersäle. Sie gründeten Vereine und Sportclubs wie die Fußballmannschaften Thor Waterschei und KFC Winterslag. All diese Einrichtungen waren attraktiv, verliehen den Bergwerken aber gleichzeitig große Macht über ihre Belegschaft. Schließlich waren die Bewohner der Siedlungen in jedem Aspekt ihres täglichen Lebens vom Bergwerk abhängig.

Kritiker bezeichneten die Cités daher manchmal als „goldene Käfige“.
Durch den Kohleabbau urbanisierte sich Mittel-Limburg in rasantem Tempo. Am deutlichsten zeigte sich diese Entwicklung in Genk. Das Dorf entwickelte sich innerhalb eines halben Jahrhunderts zu einem industriellen Zentrum, und durch den großen Zuzug entstand sogar ein völlig neuer Dialekt: die „Citétaal“.
Die Stilllegungen der Bergwerke veränderten das Leben in den Wohnsiedlungen, doch die Architektur der Gartenviertel blieb weitgehend erhalten. Heute bilden die Gartenviertel zusammen mit den Industriegebäuden und den Halden markante Spuren der Bergbauvergangenheit in der limburgischen Landschaft.
Diese Geschichte wurde vom „Geheugen Collectief“ für das FAAM – Virtuelles Museum – erstellt.





