Geschichtsbücher berichten ausführlich über die Errungenschaften von Männern, widmen Frauen jedoch selten Beachtung. Dabei haben auch sie der Geschichte ihren Stempel aufgedrückt. Aus dieser Feststellung heraus entstand das Projekt „Straffe Vrouwen“: ein Erlebnisparcours entlang fünf Kulturerbestätten im Waasland, bei dem jeweils eine besondere Frau im Mittelpunkt steht. Auf Rad- und Wanderwegen entdeckst du ihre Geschichten und trittst buchstäblich in ihre Fußstapfen.
Ob Geschäftsfrau, Adlige oder Dienstmädchen: Viele Frauen aus längst vergangenen Zeiten haben eine faszinierende Geschichte zu erzählen. Dennoch wird ihr Beitrag noch allzu oft vernachlässigt. Im Waasland sorgen fünf Kulturerbestätten dafür, dass sich dies ändert. An jedem Ort lebte und arbeitete eine bemerkenswerte Frau, und genau dort wird ihre Geschichte wieder zum Leben erweckt.
Silhouetten lassen Frauen zu Wort kommen
An jedem Ort steht eine interaktive Silhouette aus Cortenstahl. Man kann hindurchschauen, hindurchgehen und darauf stehen. So schlüpft man (im wahrsten Sinne des Wortes) für einen Moment in die Haut der Frauen. Über die ErfgoedApp erfährst du außerdem mehr über ihr Leben, ihre Entscheidungen und wie sie sich in einer von Männern dominierten Welt behauptet haben. Du entdeckst ihre persönlichen Geschichten und lernst mehr über die Frauengeschichte im Allgemeinen. Es ist sogar möglich, mit den fünf Frauen aus Waas zu „telefonieren“!

Man kann die Kulturerbestätten einzeln besuchen oder sich für eine Wander- oder Radroute entscheiden, die an verschiedenen Orten vorbeiführt. Und auch wer nicht vor Ort sein kann, kann dank der App ihre Geschichten entdecken.
Marie-Thérèse De Decker: die Textilkönigin von Sint-Niklaas
Eine der Kulturerbestätten ist das Huis Janssens, das heute zu den „Musea Aan het Park“ (MAP) gehört. Die beeindruckende Frau, der man in diesem kleinen Schloss begegnet, ist Marie-Thérèse De Decker (1805–1871). Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie 1821 eine Textilfabrik mit Dampfmaschine auf. Nach einer Phase der Wirtschaftskrise hauchten sie so der Textilbranche in der Region Waas neues Leben ein. Nach dem Tod ihres Mannes leitete Marie-Thérèse die Fabrik weiter. Gleichzeitig war sie Mutter von elf Kindern.


Marie-Thérèse De Decker. © Geneanet / Silhouette von Marie-Thérèse De Decker aus Cortenstahl / Nahaufnahme der Silhouette aus Cortenstahl. © Brinthe Thys
Einer ihrer Söhne, Alfons Janssens, ebenfalls Textilfabrikant und Amateurdichter, ließ dieses Gebäude 1878 errichten. Er schenkte es der Stadt Sint-Niklaas unter der Bedingung, dass es zu einem Museum werden sollte. Heute ist hier das MAP – Curiosum untergebracht. Dort findet man alte Musikinstrumente, moderne Kunstwerke und Bücher aus dem 16. bis zum 19. Jahrhundert, aber ebenso eine Reihe von Straußeneiern und Meisterwerken aus der Geschichte der Region Waas.
Die Geschichte von Marie-Thérèse De Decker entdecken Sie bei einem Stadtrundgang durch Sint-Niklaas. Der Rundgang beginnt auf dem Grote Markt, dessen Blickfang das Rathaus aus dem Jahr 1878 ist. Vor dem Gebäude steht eine Statue des Heiligen Nikolaus, des Schutzpatrons der Stadt. Unterwegs kommen Sie an weiteren spannenden Orten vorbei, wie beispielsweise der St .-Nikolaus-Kirche, der ältesten Kirche der Stadt. Sie wurde 1217 bei der Gründung der Pfarrei St. Nikolaus errichtet. Aber machen Sie sich vor allem selbst auf den Weg und entdecken Sie so noch mehr besondere Orte und überraschende Geschichten aus der Vergangenheit der Stadt.

Das Rathaus von Sint-Niklaas, die Statue des Heiligen Nikolaus vor dem Rathaus und die St.-Nikolaus-Kirche. © Brinthe Thys
Möchtest du gerne mehr über die „Straffe Vrouwen“ aus dem Waasland erfahren?
Auch in Beveren und zwischen Waasmunster und Lokeren kannst du auf Radwegen andere beeindruckende Frauen kennenlernen.
Das Projekt „Straffe Vrouwen“ ist eine Initiative von „Toerisme Waasland“ und der „Erfgoedcel Waasland“ in Zusammenarbeit mit dem „Waas Archievenoverleg“, den Kommunalverwaltungen von Beveren, Lokeren, Sint-Niklaas und Waasmunster sowie den technischen Schulen VLOT! und weTech.
Mit Dank an Gitte Derluyn, Kulturerbe-Beraterin der Erfgoedcel Waasland.