Europameisterin über 100 und 200 Meter, eine Goldmedaille mit der Staffelmannschaft bei den Olympischen Spielen 2008 und nicht weniger als 27 belgische Meistertitel: Die Sprinterin Kim Gevaert hat eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen.
Dass sie eine solche Karriere aufbauen konnte, war weniger selbstverständlich, als es scheint. Der Sport, wie wir ihn heute kennen, ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Die ersten Sportvereine und Sportwettkämpfe waren stark auf Männer ausgerichtet.
Viele Sportler, aber auch die katholische Kirche und sogar Ärzte: Sie alle hielten viel körperliche Betätigung für Frauen für unangemessen.
Man sagte, ihr Körper sei für die Anstrengungen des Fußballs oder des Radsports nicht geeignet. Außerdem würde Sport sie von ihren Aufgaben als Ehefrau, Mutter und Hausfrau abhalten. Nur Disziplinen wie Schwimmen oder Turnen hielt man für geeignet, da diese den Schwerpunkt auf „weibliche“ Eleganz legten.

Dennoch nahmen Frauen durchaus an den unterschiedlichsten Sportarten teil. So gab es bereits im späten 19. Jahrhundert Radrennfahrerinnen. Doch aufgrund zahlreicher Vorurteile blieben Frauen oft von offiziellen Sportwettkämpfen ausgeschlossen. Erst 1904 traten beispielsweise die ersten Sportlerinnen bei den Olympischen Spielen an. Der belgische Radsportverband weigerte sich sogar bis in die 1950er Jahre hinein, Frauenwettkämpfe offiziell zuzulassen.

Ab den 1960er Jahren gewann der Frauensport im Rahmen einer breiteren Emanzipationsbewegung in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung.
So organisierte der belgische Fußballverband beispielsweise ab 1971 erstmals eine offizielle Liga für Frauenmannschaften. Sportlerinnen wie Victoire van Nuffel und die siebenfache Weltmeisterin Yvonne Reynders machten den Frauenradsport bekannt. Und bei den Olympischen Spielen sorgten Frauen wie die Judoka Ulla Werbrouck und Tia Hellebaut für Furore. Dennoch verdienen weibliche Profisportlerinnen oft immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Außerdem finden ihre Leistungen in den Medien weniger Beachtung.
Diese Geschichte wurde vom Geheugen Collectief für das FAAM – Virtuelles Museum erstellt.







