Auf dem Land musste man lange Zeit ein Alleskönner sein. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein mussten Bauernfamilien ihre Werkzeuge selbst herstellen und reparieren, Brot backen, Kleidung nähen … Dennoch gab es in jedem Dorf auch spezialisierte Handwerker. Sie waren für den bäuerlichen Betrieb unverzichtbar. Der Schmied war einer von ihnen. Er versorgte die Pferde mit Hufeisen und stellte Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände her. Oder der Müller, der Getreide und Saatgut mahlte. 

Im Freilichtmuseum Bachten De Kupe erfahren Sie mehr über das Dorfleben und das Handwerk auf dem Land. Möchten Sie noch mehr über dieses Thema erfahren? Dann besuchen Sie auch das Freilichtmuseum Bokrijk.

Der Wagenbauer als vormoderner Kfz-Mechaniker

In vielen Dörfern gab es auch einen Wagenbauer. In der Zeit vor den motorisierten Fahrzeugen war er so etwas wie der Kfz-Mechaniker. Er fertigte und reparierte Karren, Wagen und Wagenbauteile wie Räder und Achsen. Holz war sein Grundmaterial. Auf dem Land stammte seine Kundschaft größtenteils aus der Landwirtschaft, aber er arbeitete auch für den Bierbrauer oder den örtlichen Adel. Außerdem stellte er landwirtschaftliche Geräte her, manchmal gemeinsam mit dem Schmied.

Besuchen Sie das Karrenmuseum in Essen mit mehr als 300 nicht motorisierten Fahrzeugen.

Der Wagenbauer als Holzspezialist

Die Spezialisierung, die den Wagenbauer von anderen Holzhandwerkern (wie Tischlern und Zimmerleuten) unterschied, war die Herstellung von Rädern. Das war schwierig. Seine Ausbildung erhielt er direkt am Arbeitsplatz, oft vom Vater an den Sohn weitergegeben. Danach wusste der Wagenbauer alles über Holzarten wie Ulme, Eiche und Akazie. Manche Wagenbauer verrichteten zur Aufbesserung ihres Einkommens auch allgemeine Tischlerarbeiten oder betrieben – gemeinsam mit ihrer Frau – eine Gaststätte oder einen kleinen Laden.

Der Wagenbauer Mus Jacobs an der Kruisbaan in Putte, 1910 – © CAG, Kempens Erfgoed, Sammlung des Stadtarchivs Putte – Foto: Leon Van Den Broeck-Schroeyens
Der Wagenbauer Mus Jacobs an der Kruisbaan in Putte, 1910 – © CAG, Kempens Erfgoed, Sammlung des Stadtarchivs Putte – Foto: Leon Van Den Broeck-Schroeyens

Der Kutscher wird zum Kfz-Mechaniker

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hielten immer mehr Bohr- und Sägemaschinen Einzug in die Werkstätten. Dennoch war damit nach wie vor viel Handarbeit verbunden. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es in den meisten Dörfern noch mindestens eine Wagenbauwerkstatt. Diese Zahl schrumpfte zusehends durch die Einführung des Gummireifens. Viele Wagenbauer bildeten sich zum Karosseriebauer, Tischler … oder Kfz-Mechaniker um.

Im MOT (Museum für alte Techniken) in Grimbergen kannst du selbst mit anpacken.

Diese Geschichte wurde vom „Geheugen Collectief“ für das FAAM – Virtuelles Museum – erstellt.

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