Um das Jahr 1200 entstand in Paris ein neuer Musikstil. Die bereits seit Jahrhunderten bestehende gregorianische Kirchenmusik war einstimmig. Nun kamen eine zweite und eine dritte Stimme hinzu. So entstand die mehrstimmige Musik, die Polyphonie.
Über die Chorschulen von Tournai und Kamerijk eroberte die Polyphonie auch die Niederlande. Ab dem 14. Jahrhundert waren in vielen großen Städten Komponisten tätig. Schon bald waren sie in ganz Europa gefragt. Sie fanden dort in den Kathedralen und an den fürstlichen Höfen Beschäftigung. Die Musiker waren als „Fiamminghi“ bekannt, obwohl sie nicht ausschließlich aus der Grafschaft Flandern stammten.

Viele Musiker begannen ihre Karriere als Knaben in einem Kirchenchor. Talentierte Jugendliche stiegen zum Gesangsmeister auf. Anschließend begannen sie zu komponieren. Fürsten, Adlige und Bischöfe wetteiferten darum, sie in ihre Dienste zu nehmen. Oft reisten die Polyphonisten von einem Land zum anderen, von Dänemark bis nach Spanien.
Für den mehrstimmigen Gesang mussten große Notenbücher angefertigt werden, aus denen mehrere Sänger gemeinsam singen konnten. Diese wurden von Hand angefertigt. Oft war das Gesangbuch mit feinen kleinen Gemälden (Miniaturen) verziert. Mit dem Durchbruch der Buchdruckkunst im frühen 16. Jahrhundert wurde es möglich, Noten in mehreren Exemplaren zu drucken.

Die prächtigen Handschriften befinden sich heute weltweit in bedeutenden Bibliotheken. In Flandern sind einige Meisterwerke erhalten geblieben, wie dasAntiphonar von Tsgrootenund dasChorbuch von Margarete von Österreich. Das erstere wurde für Antonius Tsgrooten, den Abt von Tongerlo, angefertigt. DasChorbuchwar wahrscheinlich ein Geschenk des Habsburger Kaisers Maximilian von Österreich an seinen Enkel Karl, der später als Kaiser Karl V. bekannt wurde.
Diese Geschichte wurde von OKV für FAAM – das virtuelle Museum – erstellt.





