Sozialismus in Bild und Brot

Im Jahr 1885 schlossen sich flämische, wallonische und Brüsseler Sozialisten zur Belgischen Arbeiterpartei (BWP) zusammen. Die Parteiführung vermied bewusst den belasteten Begriff „Sozialismus“.

Sie befürchtete, dass sie sonst die Arbeiter abschrecken würde. Der wichtigste Streitpunkt war das allgemeine Wahlrecht. Der erste Schritt in die richtige Richtung war das einfache Wahlrecht für Männer im Jahr 1919. Dadurch durfte jeder Mann eine Stimme abgeben. Erst 1948 durften auch Frauen wählen.

Farbenfrohe Plakate

Für die neue Partei war es wichtig, unter den Arbeitern neue Mitglieder zu gewinnen. Dazu setzten sie farbenfrohe Plakate ein. Diese sprachen die Menschen mehr an als ein langweiliges Textplakat. Die Gestalter verwendeten regelmäßig die Ornamente und Schriftzüge des neuen Jugendstils. So wurde visuell deutlich, dass eine neue Gesellschaft im Entstehen war.

Plakat zur Einweihung des sozialistischen Festsaals „Vooruit“ und der Volksdruckerei in Gent, Jules Van Biesbroeck, 1902 – AMSAB-ISG, Gent
Plakat zur Einweihung des sozialistischen Festsaals „Vooruit“ und der Volksdruckerei in Gent, Jules Van Biesbroeck, 1902 – AMSAB-ISG, Gent

Brot und Seife

Auch die Volkshäuser zogen Mitglieder an. Hier konnte die Partei bei großen Versammlungen Sympathisanten für sich gewinnen. Dank einer Bäckerei versorgten sie die Mitglieder täglich mit Brot von guter Qualität. Törtchen und Frühstückskuchen gab es hier noch nicht. Die erste Brüsseler Arbeiterbäckerei produzierte 1882 sogar 3,6 Millionen Kilo Brot. In einem Lebensmittelgeschäft konnten die Mitglieder ihre Grundbedürfnisse decken. Mit dem Verkauf von preiswerter Seife hoffte die Partei, die Hygiene der Mitglieder zu verbessern.

Sozialistisches Volkshaus „Maison du Peuple“, Brüssel, Victor Horta, 1899 – Horta-Museum, Saint-Gilles – Wikimedia
Sozialistisches Volkshaus „Maison du Peuple“, Brüssel, Victor Horta, 1899 – Horta-Museum, Saint-Gilles – Wikimedia

Das erste sozialistische Volkshaus in Brüssel öffnete 1899 seine Türen. Das „Maison du Peuple“ wurde vom bekannten Jugendstil-Architekten Victor Horta entworfen. Es fiel 1965 dem Abrisshammer zum Opfer.

Sehen Sie sich ein Modell des Maison du Peuple im Horta-Museum in Brüssel an, oder schlendern Sie online durch die wunderschöne dreidimensionalen Rekonstruktion.

Glücklicherweise steht das Genter Volkshaus „Ons Huis“ (1897–1902) am Vrijdagmarkt noch immer. Zur Entspannung und für ein leckeres Essen konnten die Genter Sozialisten auch den Festsaal „Vooruit“ (1911–1913) besuchen.

Für Musik, Tanz, Theater, Literatur und ein leckeres Gericht bist du nach wie vor herzlich willkommen im De Vooruit in Gent.

Diese Geschichte wurde von OKV für FAAM – das virtuelle Museum – erstellt.