Die Pferdestärke ist nicht zufällig eine gängige Einheit zur Angabe der Leistung eines Motors. Als James Watt Ende des 18. Jahrhunderts die Dampfmaschine entwickelte, verglich er die Kraft seiner Maschine mit der der damals wichtigsten Zugkraftquelle: dem Pferd. Und wenn es eine Pferderasse gab, die besonders viel Kraft besaß, dann war es das Brabanter Zugpferd.
„De Brabander“ wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch gezielte Kreuzung verschiedener Rassen als Zugpferd gezüchtet.
Jahrzehntelang war dieses Tier wegen seiner Kraft, seiner Ausdauer und seines sanftmütigen Charakters besonders beliebt. Im Jahr 1880 gab es in Belgien bereits 240.000 Brabanter. Auch anderswo waren sie beliebt. Züchter exportierten ihre Tiere bis in die Vereinigten Staaten.
Netze von Garnelenfischern, mit Kohle beladene Karren, Flussboote, Pflüge, gefällte Bäume, Kutschen mit Menschen … die Liste der Dinge, die die Brabanter zogen, war lang.

Das Brabanter Zugpferd war nicht das einzige Lasttier. Wusstest du, dass es in Belgien im Jahr 1900 150.000 Zughunde gab, die kleinere Lastkarren zogen? Im Antwerpener Zoo ging es noch verrückter zu. Dort konnten Kinder Fahrten auf Kutschen unternehmen, die von Ponys, Lamas und Zebras gezogen wurden. Dennoch wurde kein Lasttier so sehr mit dem Leben auf dem flämischen Land in Verbindung gebracht wie der Brabander. Genau aus diesem Grund verewigten viele Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts dieses Tier. Maler wie Edmond de Pratere hatten sogar eine ausgeprägte Vorliebe für das Zugpferd.
Der Wendepunkt kam in den 1950er Jahren. Überall setzten sich Verbrennungsmotoren durch.

Die Bauern tauschten ihre Brabander in großer Zahl gegen Traktoren ein. In den 1950er Jahren gab es noch etwa 200.000 Zugpferde, heute sind es nur noch wenige Tausend. Verschiedene Züchter und Denkmalschutzorganisationen setzen sich dafür ein, das Tier und die damit verbundene Kultur am Leben zu erhalten. Unterstützung kommt manchmal aus unerwarteter Richtung. So möchte auch die Biermarke Palm dem Zugpferd eine Zukunft geben.
Diese Geschichte wurde vom „Geheugen Collectief“ für das FAAM – Virtuelles Museum – erstellt.










